Kulturtradition
Äthiopien ist zu einem Synonym für Hunger und Krieg geworden. Ohne Frieden, eine ausreichende Ernährung und Bildung wird es keine Entwicklung geben. Viele Projekte sorgen sich um das tägliche Brot, aber...

...der Mensch lebt nicht vom Brot allein...

Äthiopien hat sehr alte Kulturtraditionen bewahrt. Seine bedeutendste Kulturträgerin ist die äthiopische orthodoxe Kirche: Beispiel einer geglückten Inkulturation des Christentums in eine afrikanische Kultur. Sie begann im 4. Jh., ist älter als die meisten christlichen Kulturen in Europa, Maßstab für andere christliche Kirchen Afrikas und bis heute sehr lebendig.

Besucher von Lalibela sind von den Felsenkirchen (Link zu einem knapp 15 Minuten langen Film der Reihe "Schätze der Welt - Erbe der Menschheit vom SWR) beeindruckt, vom Tanz der Priester und den wundervollen Kreuzen. Darüber wird meistens vergessen, dass diese alte Tradition um ihr Überleben kämpft. Landreform und Verarmung entzogen Klöstern und Kirchenschulen als den tragenden Institutionen die Lebensgrundlage. Ohne sie stirbt das vielfältige reiche Erbe dieser alten afrikanischen Liturgie. Die nur noch hier erhaltene Kirchensprache Ge’ez, seit dem 16. Jahrhundert nicht mehr im Volk gesprochen, geht verloren. Die ursprüngliche äthiopische Kirchenmusik der Trommeln und Sistren und der Tanz der Priester verfällt.

Deshalb gründete der Konfessionskundler Prof. Dr. Friedrich Heyer in Heidelberg 1975 die Tabor Society. Seine Feldforschung führte ihn zu den Kirchenschulen im abgelegenen Gebiet der Region Debre Tabor (siehe Foto). Dort wird dieses uralte Wissen vom Gelehrten zum Schüler mündlich weitergegeben und im Kopf gespeichert. Er erkannte, dass Hilfe zum Überleben dieses bis heute erhaltenen einzigartigen Schulsystems notwendig ist, damit sich die Absolventen als Menschen und Christen auch im modernisierten Äthiopien behaupten können. Unterstützt von „Brot  für die Welt“ und der „Kindernothilfe“ gründete Prof. Heyer zusammen mit äthiopischen Bildungsexperten und kirchlichen Autoritäten Kirchenschulen neuen Typs, die traditionelle äthiopische Kirchenbildung, moderne westliche Bildung und berufliche Ausbildung miteinander verbinden sollten. (Debre Tabor 1971, Dabat 1973, Debre Marqos 1975). Leider sind diese neuen Kirchenschulen in den Wirren  der äthiopischen Revolution aus verschiedenen Gründen bald aufgegeben worden. Sie wurden teilweise als Waisenhäuser und Schülerhorte gefördert und von der „Kindernothilfe“ fortgeführt. Die Tabor Society wurde ursprünglich gegründet, um den Religionsunterricht in den modernen  orthodoxen Kirchenschulen zu finanzieren. Durch die Revolution verloren die Klöster und Kirchenschulen ihre Einnahmen. Es bestand die Gefahr, dass  Lehrer und Schüler  aus Not ihre Studien abbrechen, die orthodoxe Kirche so ihre Kontinuität und Identität verliert. In dieser Situation entschloss sich die Tabor Society künftig die Lehrer und Schüler einiger ausgewählter Kirchenhochschulen zu unterstützen.

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( November 2009) Bemerkungen, Anfragen und Mitteilungen an: webmaster@tabor-society.de