|
|
|
(3) Christliche Frau im Hochland
|
|
|
|
(4) Priester mit Handkreuz
|
|
Kurze Einführung in die Geschichte der orthodoxen Kirche Äthiopiens (Teil II)
Im 6. Jahrhundert kamen flüchtende syrische Mönche ins Land, die Klöster gründeten nach der Regel des heiligen Antonius. Sie begannen, die Bibel aus dem Griechischen in die Landessprache Geez. zu übersetzen und missionierten das Volk. Bis ins 17. Jh. war die schon im Reich von Aksum entwickelte Sprache Geez Landessprache. Sie wurde vom Amharischen abgelöst. blieb aber - unserem Latein vergleichbar - bis heute die Kirchensprache. Im Laufe der Jahrhunderte entstand eine vielfältige Literatur. die uns erst in Bruchteilen durch Übersetzungen zugänglich ist. Die Kunst des Pergamentmachens, des Bücherschreibens, -malens und der Buchherstellung wird bis auf den heutigen Tag gepflegt. Die frühesten Manuskripte stammen etwa aus dem 11. Jahrhundert. Jedes Kloster und manche Kirche verfügt über eine solche oft gut versteckte Bibliothek. Die orientalische Erzählfreude bindet sich in Farbe auf den Kirchenwänden der außen oft unscheinbar wirkenden äthiopischen Rundkirchen wieder: Die Wände des inneren, quadratischen Raumes sind häufig in leuchtenden Farben bemalt. In unzähligen Bildern werden die Geschichten des Evangeliums und der Heiligen den Gläubigen sinnfällig gemacht. Eine weitere Form der Malerei ist die Ikonenmalerei auf Holztafeln. Die äthiopische Malerei hat anfangs byzantinische Formen aufgegriffen und zu etwas sehr Eigenständigem umgeschaffen. Diese hohe Fähigkeit zur Inkulturation zeichnet sie auch in den weiteren Jahrhunderten aus, die syrische, koptische, nubische, indische und westliche Einflüsse ins Land brachten: Äthiopier übernahmen immer Teile davon, schufen jedoch Eigenständiges. Die Liturgie ist das Lebenszentrum der orthodoxen Kirche: Hier entfaltet sich alle Künste zum Lobe Gottes. Der Kirchentanz Aquaquam wird von zwei sich gegenüberstehenden .Sängerreihen getanzt und von Trommel und Sistren begleitet. Die Predigt wird an Festtagen in Versform vorgetragen und von einem Sängerchor respondiert. Weihrauch, der auch im Alltag viel gebraucht wird. füllt den Kirchenraum mit seinem Duft. Ein langer äthiopischer Gottesdienst ist ein Erlebnis für alle Sinne.
Zurück zu Teil I
Fotos: 3,4: Marx
|