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Vorwort:
Diese Auswahl Äthiopischer Sprichwörter entspringt meiner Absicht, den interessierten deutschen Lesern etwas aus meiner Heimat vorzustellen.
Jeder, der sich dem Geist anderer Volker zuwendet, nimmt an einer bunten Kulturwelt, die letztendlich allen Menschen gehört, teil. Dadurch kommt ja die Ähnlichkeit der Kulturen in ihrer Vielfalt zum Ausdruck.
Der Humus, auf dem unsere Sprichwörter gewachsen sind, ist die raue bäuerliche Gesellschaft Äthiopiens. Diese schuf über Jahrhunderte ihre eigenen Normen und Werte. Oft ist die christliche Prägung unverkennbar. In Lande der Königin von Saba ist es auch heute noch schicklich, eine Meinung durch einen sprichwörtlichen Wahrheitsbeweis zu fundieren. Früher galten sie den Volksrichtern sogar als Bekräftigung ihrer Urteilssprüche.
Was darin so unbekümmert und ungefiltert ausgesagt wird, spiegelt mittelbar die Seele des Volkes im Angesicht einer harten, vielseitig bedrohten Lebenswirklichkeit wider. Ausdrucksform dieser Volksweisheiten ist grundsätzlich die Verbindung zweier (seltener auch dreier) selbständiger Gedankengänge. Während die Zahl der Silben von zwei Parallelsätzen vergleichsweise verschieden groß sein kann, ist der Reim unverzichtbar. Dieser fehlt natürlich in der Übersetzung von zufälligen Ausnahmen abgesehen.
Der Leser wird selber merken, dass die Aussagen dieser Redensarten keinen Anspruch auf Absolutheit erheben. Nicht selten wird an anderer Stelle das Gegenteil behauptet. Vielmehr wollen sie Licht auf einen jeweils aktuellen Aspekt im Leben des Bauern und dessen Mentalität werfen.
Zur Übertragung selbst: Wo die wortgetreue Übersetzung manchmal keinen Sinn ergibt, wird sie durch freiere Wiedergabe - jedoch ohne Entfremdung vom ursprünglichen Gedanken - ersetzt.
Um mit Hilfe eines Stichwortes den gewünschten Begriff schnell finden zu können, sind die Stichwörter zu Sach- und Themengruppen zusammengefasst worden.
Zum Schluss sei angemerkt: In der Welt der Wissenschaft sagt man: Durch Teilung vermehren sich die Zellen. In Afrika, unserer Welt, in der Weisheit noch eine Rolle spielt, sagt man: Durch Teilen wird man reicher.
Kefelew Zelleke 
Aachen, September 1991

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